Gewöhnlicher oder Gemeiner Nagekäfer, Anobium punctatum

Dieser auch als Holzwurm bezeichnete Schädling tritt im großen Umfang in Gebäuden als Zerstörer des verarbeiteten und verbauten Holzes auf, wobei kühlere, feuchte Stellen bevorzugt besiedelt werden. Insbesondere durch seine Ortstreue verursacht er nicht selten erhebliche Schäden. Befallen wird sowohl Nadel- als auch Laubholz. Weiche Hölzer scheinen bevorzugt zu werden. Das Alter des Holzes spielt keine Rolle. Die Larven können sich selbst von sehr altem Holz ernähren, wachsen hierin allerdings langsamer als in frischerem Holz. Der Hauptnahrungsstoff der Larven bildet die Zellulose. Geringe Mengen an Eiweißstoffen sind gleichfalls für ihre Entwicklung notwendig.


Das Temperaturoptimum liegt zwischen 22 und 23 °C. Bei gesättigter Luftfeuchte vollzieht sich das Larvenwachstum am schnellsten und verlangsamt sich mit abnehmender Luftfeuchtigkeit. Der Gewöhnliche Nagekäfer zeigt mit seinem Vorkommen durchweg höhere Holzfeuchten auf. So zeigt die Praxis, dass bei einer Holzfeuchte um 35 % das Lebensoptimum erreicht ist.


Unterhalb einer Holzfeuchte von 10 bis 12 % hört die Entwicklung der Larven auf. Aus den beschriebenen Klimaansprüchen erklärt sich, warum der Gewöhnliche Nagekäfer speziell in Heulagern und Tierställen auftritt.


Auch gelegentliche Befeuchtungen des Holzes können entwicklungsfördernd sein. Hölzer bei hohen sommerlichen Temperaturen in Dachstühlen mit entsprechend niedrigem Feuchtigkeitsgehalt des Bauholzes sind weniger gefährdet.


Die Entwicklungszeit vom Ei bis zum schlüpfenden Käfer dauert in Abhängigkeit vom Nahrungswert des Holzes mindestens zwei, bei Nadelhölzern eher vier bis acht Jahre. Die Larven verpuppen sich im Frühjahr. Die Käfer erscheinen in den Monaten April bis August, wobei die Hauptflugzeit in die Monate Mai bis Juli fällt.


Die Eiablage erfolgt einzeln oder in Gelegen in Holzrisse und besonders in alte Fluglöcher bzw. Schlupfgänge. Je Weibchen werden etwa 20 bis 50 Eier abgelegt. Charakteristisch ist die Ortstreue der Käfer, die das Holz, aus dem sie geschlüpft sind, so lange mit Eiern belegen, bis die Holzsubstanz weitgehend verzehrt ist. Auf diese Weise entwickeln sich mehrere bis viele Generationen in demselben Holz.


Der Gewöhnliche Nagekäfer hat die Eigenschaft, sich selbst in kleinsten Hohlräumen zu vermehren. Aus diesem Grund kann er auch in Zwischendecken und Fachwerkwänden auftreten.


Die Eigenschaft, die Eier in die eigenen Schlupflöcher abzulegen, macht den Nachweis eines lebenden Befalles recht schwierig. Bei tief sitzenden Larven wird kein frisches Fraßmehl an die Oberfläche transportiert. Einen aktiven Befall erkennt man dann nur durch Ausflug von neuen Käfern. Da sie aber aus den alten Ausfluglöchern herauskrabbeln, werden meist keine neuen Löcher gebohrt. Nur unter bestimmten Voraussetzungen sind dann in den alten Ausfluglöchern frische Fraßmehlreste zu sehen.


Weiterhin wurde in der Praxis beobachtet, dass selbst bei einem lang anhaltenden Befall nicht in jedem Jahr Käfer ausfliegen. So kann es vorkommen, dass zwei bis drei Jahre kein Ausflug festzustellen ist und dann epidemieartig Käfer auftreten.


Um nun lebenden Befall nachweisen zu können, der eine Bekämpfung rechtfertigt, ist es erforderlich, entweder im Sommer bei ruhiger Umgebung auf Fraßgeräusche zu hören oder, was wesentlich effektiver ist, während der Ausflugzeit die Holzoberflächen mit einem Packpapier abzukleben, wo alte Ausfluglöcher vorhanden sind. Werden dann während der Flugzeit neue Ausfluglöcher im Packpapier festgestellt, so ist der Beweis für einen lebenden Befall erbracht.
Mit zusätzlichen Klebefallen können die Insekten gesammelt werden, so dass auch eine Bestimmung möglich ist.


Nicht unerwähnt bleiben muss an dieser Stelle aber auch, dass der Blaue Fellkäfer als natürlicher Feind des Gewöhnlichen Nagekäfers häufig mit diesem zusammen vorkommt. Die Larven des Blauen Fellkäfers fressen die Larven des Gewöhnlichen Nagekäfers. Dabei wird auch Fraßmehl ausgestoßen.


Deshalb ist eine Überprüfung des Befalls beim Gewöhnlichen Nagekäfer unbedingt ratsam, da sich seine natürlichen Feinde fast genauso wie er im Holz verhalten und daher häufig eine Verwechslung möglich ist.

Literaturangaben:


Bei der Erstellung der Beschreibung wurde folgende Literatur verwendet:

„Pflanzliche und tierische Bau- und Werkholzschädlinge“ von Dr. D. Grosser, DRW-Verlag

„Holzschädlinge an Kulturgütern erkennen und bekämpfen“ von Dr. H.P. Sutter, Haupt-Verlag

„Holz zerstörende Insekten in Bauwerken und an Kulturgut“, Dr. Uwe Noldt et al, Der Bausachverständige 1/2006, Seite 26 - 29, Fraunhofer IRB-Verlag

„Integrierte Insektenbekämpfung“, Joachim Wießner, 2004, Download auf www.jochenwiessner.de

„Insektenbekämpfung im Holz, Vorsicht Falle“, Joachim Wießner, 2004, Download auf www.jochenwiessner.de

„Insektenbekämpfung im Holz mit der Mikrowelle“, Astrid Sattler, 2007, Download auf www.mw-baudienstleistung.de