Hausschwammsanierung über Mauerkrone, 1992

In Schloss Namedy kam es zum Hausschwammbefall im Seitenflügel. Ursache war eine Undichtigkeit im Bereich der Traufe an der Dacheindeckung. Der Hausschwamm wanderte von der Traufe im 2. OG dem Wasser folgend in die Ziegelsteinmauer und bildete Fruchtkörper etwa 1 m unterhalb dieser Traufe in einer Außenwandecke.
In dem Seitenflügel sollten Übernachtungsräume für Schlossgäste eingerichtet werden. Dabei sollte der Putz soweit als möglich erhalten werden. Die Untersuchung habe ich 1992 mit meinem Mitarbeiter durchgeführt.
Die Überprüfung im Dachbereich zeigte aber, dass praktisch über die gesamte Länge Hausschwammbefall vorhanden ist. Zu dieser Zeit waren die meisten Verarbeiter der Ansicht, dass bei einer Bohrlochtränkung sich das Material kreisförmig um das Bohrloch in der Wand ausbreitet. Versuche, die ich bei verschiedenen anderen Schwammobjekten durchgeführt hatte, zeigten aber, dass das Schwammsperrmittel immer der Schwerkraft folgt und nach unten läuft.
Aus diesem Grund habe ich vorgeschlagen, dass die Bohrlochtränkung nicht waagerecht in die Wand durchgeführt wird. Nach Freilegung der Traufe (die wegen der Dacharbeiten sowieso freigelegt werden musste) sollte mit Bohrungen von oben senkrecht in die Mauerkrone die Wand imprägniert werden. Das hat auch funktioniert.
Um die Gelbfärbungen der quarternären Ammonverbindungen zu verhindern, wurde hier ein Produkt der Firma Dr. Wolman eingesetzt, das auf Basis Flüssigboraten hergestellt wurde. Die Arbeiten hat die Firma Gsell aus Essen durchgeführt. Die Statik wurde vom Büro Schwab und Partner aus Köln berechnet.
Die Dachkonstruktion wurde, soweit sie befallen war, durch neues Holz ersetzt und das Dach entsprechend abgedichtet. Dann wurde die Bohrlochtränkung ausgeführt. Der Putz wurde beibehalten, mit Ausnahme einiger Stellen, die durch die Durchfeuchtung sich von der Wand gelöst hatten. Es gab dann keine weiteren Schäden mehr durch Hausschwamm, es wurden auch keine weiteren Fruchtkörper mehr gesehen.
Die Wandbreite lag bei etwa ca. 60 cm, die eingebrachte Schwammmittelmenge wurde so ausgewählt, dass die eingebrachte Menge für etwa 2,50 m Wandfläche bis zur Traufe ausreicht.
Das Objekt wurde noch mehrere Jahre nach dieser Sanierung besucht und kein aktiver Hausschwammbefall mehr festgestellt.
Wenn ich heute eine solche Sanierung festlegen müsste, dann würde ich dafür die Mikrowelle einsetzen. Hitze tötet den Hausschwamm ab, Schwammsperrmittel verhindern seine weitere Ausbreitung. Er lebt also noch nach der Behandlung mit chem. Mitteln. Außerdem ist nach der Hitzebehandlung die Wand meistens trocken, nach der chem. Behandlung meist feuchter als vorher.